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Atmung - Stimmführung - Artikulation

von Dr. Hans-Henning Schmidt

Liebe Freunde der Rhetorik,

Joe Mittermann hat nach seiner Lampenfieber-Rede beschlossen, an der Sprechweise zu arbeiten. Nur Übung macht den Meister, sagte er sich. Welche Wege er beschreiten kann, schildert dieser Beitrag.

Gute Freunde hatten Joe Mittermann schon öfter auf manches hingewiesen, was er schließlich in der Video-Aufnahme bestätigt fand: Wenn er seine Rede ablas, holt er häufig an den falschen Stellen Luft. Er konnte noch so stark Brust und Schultergürtel anheben, sein Atem reichte nicht aus. So zerriss er natürlich die Sätze. Seine Stimme glitt in eine Höhe, vor der er selbst erschrak. Die Aussprache war undeutlich, ja, er nuschelte. Besonders gern verschluckte er die Konsonanten am Wortende. Dass er ein echter Sachse war, konnte keiner überhören.
Mit alldem war er unzufrieden.

Als er nun erfuhr, es kann ihm geholfen werden, sagte er nur: Unglaublich!

Mein Empfehlung

Am Anfang steht der unbedingte eigene Wille zur Veränderung. Mit der präzisen Bestands-Aufnahme der Sprechweise ist der notwendige Schritt getan. Effektiv wird dieses Vorgehen, wenn es von einem Trainer begleitet wird.
Steht das Trainings-Programm fest, muss regelmäßig über den Tag verteilt 3 mal 10 Minuten geübt werden. Vergessen Sie nicht bei allen Übungen zur Atmung, Stimme und Artikulation:
Sprechen ist ein komplexer Vorgang. Immer spricht der ganze Mensch.

Meine Tipps zu Üben

Tipp 1 - Atmung ermöglicht das Sprechen

  • Um die Ruheatmung - möglichst richtig - zu erleben, legen Sie sich flach am Boden auf den Rücken, die Arme an der Seite und mit einem Buch auf dem Bauch. Wenn sich Ihre Bauchdecke bei der Ausatmung senkt und bei der Einatmung hebt, sind Sie auf dem richtigen Weg.
  • Kontrollieren Sie Ihre Atmung im Stehen durch Handauflegen an Bauch und Flanke. Schultergürtel und Brustkorb dürfen sich nicht bewegen.
  • Während Sie jeweils langsam bis 3 zählen, atmen Sie aus, halten eine Pause und atmen wieder ein.

    Im Atemholen sind zweierlei Gedanken:
    Die Luft einziehen, sich ihrer entladen;
    Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
    So wunderbar ist das Leben gemischt.

  • Sprechen Sie diese Verse Goethes, indem Sie für jede Zeile einen Atemzug verwenden.

    Tipp 2 - Stimme wirkt überzeugend

    • Öffnen Sie den Mund, streichen Sie die Wangen, lassen Sie einfach Ihre Stimme ertönen.
    • Kauen Sie (einen Apfel oder, wenn nicht anderes verfügbar, Kaugummi) und lassen Sie dazu Ihre Stimme klingen.
    • Suchen Sie Wörter mit »m« und »n« am Anfang (z.B. Meister, mahlen, nehmen, Name) und legen Sie beim langsamen Aussprechen die Betonung auf »m« und »n«. Es muss in Ihrem Mund summen.
    • Rufen Sie »Hallo«, »He«, »Achtung«. Bei jedem Wort soll sich die Bauchdecke ruckartig einziehen. Sie können sich auch vorstellen, dass Sie mit Ihrem »He, he, he« andere lautstark anfeuern.

    Tipp 3 - Artikulation führt zum Verstehen

    • Legen Sie sich eine Sammlung jener Wörter an, deren Laute und Laut-Verbindungen Sie nicht korrekt aussprechen können und üben Sie deren Aussprache.
    • Ziehen Sie das »Aussprache-Wörterbuch«, Bd. 6 des Dudens, zur Hilfe heran.
    • Nehmen Sie sich die Nachrichten-SprecherInnen zum Vorbild.
    • Lesen Sie Texte, z.B. aus der Zeitung oder Märchen, überdeutlich und langsam sich oder anderen vor.
    • Zum präzisen Schnellsprechen eignet sich auch der Satz:
      »Oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker«.

    Martin Luther:
    Denken Sie bitte an seinen Rat: Mach´s Maul auf!

    Was wäre die deutsche Sprache ohne Konsonanten?
    Sie wäre ohne Saft und Kraft.

    Achten Sie schön auf die T´s in den Wörtern dieses Satzes!

    Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Erkunden der eigenen Sprechweise und noch mehr Spaß beim Üben, Üben, Üben. Es lohnt sich.
    Im Januar bleibe ich noch bei der Sprechweise als Wirkungsfaktor.
    Unter anderem geht es dann um die Frage:

    Kann ein Sachse - das gilt natürlich auch für das Sachsenmädchen - dialektfrei werden?
    Dialekt oder Hochdeutsch - das ist hier die Frage

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    Sind Sie neugierig auf ein neues Rätsel?

    Lust am Erinnern wünscht Ihnen

    Ihr
    Rhetorik-Experte Dr. Hans-Henning Schmidt
    »Jederzeit überzeugt das treffende Wort«
    E-Mail: Dr. Hans-Henning Schmidt

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