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Start > Artikel > Mobbing: Sind Sie Opfer, Täter oder Zuschauer?

Mobbing - Sind Sie Opfer, Täter oder Zuschauer?

von Jürgen W. Goldfuss

Woran erkenne ich meine Rolle?
Was kann ich persönlich gegen Mobbing unternehmen? Machen Sie den Selbst-Test und beantworten Sie sich folgende drei Fragen:

  • Sind Sie Mobber?
    Vielleicht finden Sie diese Frage ungewöhnlich oder sogar unverschämt. Lesen sie trotzdem weiter. Vielleicht etwas zum Nachdenken.
  • Werden sie gemobbt?
    Um sicher zu sein, lesen Sie nach, ob es sich nur um einen Verdacht handelt oder ob Sie sich schon in der Opferrolle befinden.
  • Sind Sie »nur« Zuschauer?
    Lesen Sie, welche Eingriffs-Möglichkeiten Ihnen zur Verfügung stehen.

Sind Sie Mobber?

Bei der Untersuchung von Mobbing-Fällen stellt sich immer wieder heraus, dass Menschen als Mobber betrachtet werden, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Sie üben einen negativen Einfluss »aus Versehen« aus. Häufig tragen diese Menschen eigene ungelöste Probleme mit sich herum und können deshalb nicht unbefangen und spannungsfrei mit anderen kommunizieren. Sie strahlen eine negative Aura aus.

Der folgende Selbst-Test gibt Ihnen Aufschluss über Ihre Wirkung auf andere:

Wenn Sie einen Raum betreten, ändern sich die Stimmung und die Tonlage der Anwesenden.
Wenn Sie einem Menschen etwas »beibringen« wollen, ändert sich Ihre Gestik und Ihr Ton - Sie wollen sich durchsetzen.
Sie haben viel Geduld mit anderen - aber nur ganz kurz.
Wenn Ihnen jemand widerspricht, fühlen Sie sich irgendwie angegriffen.
Sie können sich richtig freuen, wenn einem anderen ein Missgeschick oder ein Fehler passiert.
Sie glauben, dass Sie keiner so richtig versteht.
Wenn Sie jemand unterbricht, werden Sie sehr ungehalten, Sie fühlen sich dann nicht ernst genommen.

Zu Ihrer Lebenseinstellung gehören die folgenden Sätze:

Tipp:
Arbeiten Sie noch etwas an sich, damit die Zusammen-Arbeit mit Ihnen zukünftig mehr Spaß macht.

  • Wer sich nicht wehren kann, ist selbst schuld.
  • Wenn alle Menschen mehr von meinem positiven Eigenschaften besäßen, dann ging es der Welt besser.
  • Es gibt Menschen, mit denen »kann man einfach nicht«.
  • Jeder muss seine Probleme selbst lösen, mir hilft ja auch keiner.
  • Wenn Sie einige Punkte wieder erkannt haben, dann sollten Sie sich fragen, wie denn ein so Mensch auf Sie wirken würde, wenn Sie mit ihm zusammenarbeiten müssten.

Werden sie gemobbt?

Mobbing fängt erfahrungsgemäß ganz harmlos an. Nicht jeder Spruch oder missglückte Witz ist bereits ein Mobbing-Versuch. Wenn allerdings System oder Methode erkennbar ist, dann sollten Sie sich jedes verdächtigte Vorkommnis notieren. Man kann nicht früh genug mit einem Mobbing-Tagebuch beginnen. Wenn eine Mobbing-Situation eskaliert, dann zeigt sich in der Praxis immer wieder die Schwierigkeit der Beweisführung. Ein weiterer Vorteil des Niederschreibens ist das Verarbeiten der Situation beim Schreiben. Sie sind nämlich gezwungen, sich mit dem Vorfall noch einmal auseinander zu setzen und sich Fragen zu stellen wie:

  • Was genau ist passiert?
  • Wer hat was verursacht?
  • Wie habe ich reagiert?
  • Wie hätte ich anders reagieren können?
  • Wer hätte mir helfen können?
  • Wie werde ich in Zukunft reagieren?

An welchen »Taten« kann man nun aber erkennen, ob Mobbing vorliegt? Mobber sind oft sehr kreativ wenn es darum geht anderen zu schaden. Anhand der folgenden Beispiele lässt sich aber bereits erkennen, welche Methoden zum Einsatz kommen.

Unterlagen, die Sie angefordert haben, erhalten Sie viel zu spät.
»Aus Versehen« werden Telefonnachrichten nicht an Sie weitergeleitet.
Sie werden »versehentlich« über wichtige Termine nicht informiert.
In der letzten Zeit gibt es immer mehr »Missverständnisse«.
Sie erfahren von »harmlosen Gerüchten«, die über Sie im Umlauf sind.
Man kritisiert Sie unsachlich.
Man macht Sie lächerlich.
Man unterbricht Sie ständig.
Wenn Sie den Raum betreten, verstummen die Gespräche.
Ihre Arbeit wird permanent kritisiert.
Man imitiert Ihre Stimme oder Ihren Gang.
Man lässt sich nicht von Ihnen ansprechen.
Man macht Andeutungen - aber ohne etwas Konkretes zu sagen.
Sie werden wie Luft behandelt.
Sie erhalten eine ungerechtfertigte Abmahnung.
Man geht wiederholt nicht auf Ihre Urlaubswünsche ein.
Sie erhalten Arbeitsaufträge, ohne die zur Erledigung notwendigen Informationen.
Sie sollen Stellungnahmen abgeben zu Vorgängen, die bereits längst erledigt sind.
Sie werden ohne plausiblen Grund versetzt.

Das ist nur eine Auswahl von Möglichkeiten, mit denen man anderen den Spaß an der Arbeit vergällt oder sie zum freiwilligen Aufgeben bewegen will. Das einzelne oder gelegentliche Auftreten einer der genannten Punkte wird noch nicht als Mobbing bezeichnet werden können. Häufen sich die Aktivitäten allerdings, dann wird auch ein Gericht einen Mobbing-Fall erkennen. Immer vorausgesetzt, es liegt ein »wasserdichtes« Mobbing-Tagebuch vor.

Sind Sie »nur« Zuschauer?

Mobbing kann nur dort existieren, wo es vom Umfeld zugelassen wird. Deshalb trägt jeder unbeteiligte Zuschauer eine Mitschuld an einer Mobbing-Situation. Das bedeutet nicht, sich in jeden Disput oder Konflikt sofort einzuschalten. Gerade dadurch könnte man selbst zur Zielscheibe anderer werden. Wenn Sie allerdings feststellen, dass in Ihrem Umfeld Mobbing betrieben wird, dann sollten Sie ganz klar und deutlich Ihre Meinung zur Situation äußern. Einem Mobber, der bloßgestellt wird, vergeht der Spaß an seinem Tun.

(Bei Zwischenfällen in öffentlichen Verkehrsmitteln kann wegschauen bequemer sein als sich einmischen. Die Gefahr, das nächste Opfer zu werden, wächst allerdings dadurch.)

Wenn an Ihrem Arbeitsplatz Mobbing »von oben« betrieben wird, dann sollte es selbstverständlich sein, dass sich die Mitarbeiter gemeinsam eindeutig zur Situation äußern. Geschieht dies nicht, kann jeder Vorgesetzte bequem einen nach dem anderen »abschießen«. Für das Betriebsklima sind allerdings alle gemeinsam verantwortlich und nicht nur die Geschäftsleitung.

Signalisieren Sie von Anfang an:
»Schluss mit Mobbing! Bei uns nicht.«

»Was sagen die Gerichte zum Thema Mobbing?«
Paragrafen, Urteile und Begründungen.


Autoren-Kontakt

Was haben Sie für Erfahrungen mit dem Thema Mobbing gemacht? Ich freue mich auf Ihre Post.

Jürgen W. Goldfuss
MTD Marketing - Training - Dokumentation
E-Mail: juergen-goldfuss@online-netzwerk-lernen.de


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