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Edgar K. Geffroy:
Machtschock!

Campus Verlag
http://www.campus.de

Gebundene Ausgabe,
220 Seiten,
Erschienen: 2002

ISBN 3593369508
Preis: 19,90 €

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Edgar K. Geffroy: Machtschock! Ein Roman über das Ende des Managements, wie wir es kennen

»Wenn der Wind der Veränderung weht,
bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.«
Ein weiser Mann

Leseprobe aus Kapitel 1:

Erste Erkenntnis: Benutzen statt Besitzen

Yvonne lächelte ihn an. »Ich kann Ihre Reaktion verstehen. Hier geht es um die Machtfrage - oder noch genauer: um einen möglichen Machtverlust.«

»Sie lenken ab. Jetzt mal zurück zum Grundproblem. Wenn ich nichts mehr besitze, kann ich ja im Grunde genommen bald auch gar nicht mehr verkaufen!«

»Genau,« sagte Yvonne, »und das wird Vertrieb und Marketing ziemlich aufmischen, wenn ich das mal so sagen darf, Herr Berning. Wir werden bald keine Verkäufer- und Käuferverhältnisse mehr haben. Es wird in Zukunft immer weniger zu kaufen geben, stattdessen werden wir mehr in Anbieter- und Nutzerverhältnisse wechseln. Wir nutzen immer mehr Gegenstände wie Autos, Möbel, Handys, ja ganze Wohnungen und Häuser. Firmen werden immer mehr leasen, leihen, mieten - und werden damit maximal flexibel! In der zukünftigen Wirtschaftswelt muss man höchst flexibel sein muss, sonst hat man keine Chance.«

»Liebe Yvonne,« Claus bemühte sich zu lächeln. »Sie rütteln an den Grundfeste der allermeisten Unternehmen. Und der Bewertungsgrundlagen noch dazu. Wenn das Unternehmen nichts mehr besitzt, welchen Wert soll es denn darstellen?«

»Es gibt schließlich auch immaterielle Werte. Wissen. Mitarbeiter. Schauen Sie, das Geld wird über die Nutzungsgebühr verdient. Im Extremfall werden die Produkte verschenkt, und der Service ist die Gewinnquelle. Was bei Handys heute schon Normalität ist, wird auf immer mehr Geschäftssysteme übertragen werden. Besitzlosigkeit wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.«

»Also, verschenken wird die Berning GmbH in Zukunft sicher nichts«, konterte Claus. »Wie soll denn ein solches Geschäftssystem aussehen? Sorry, aber im Moment kann ich mir das noch nicht wirklich vorstellen.«

»Es gibt heute schon Firmen, die nichts mehr besitzen als Vertriebskanäle und damit den Zugriff auf Absatzwege - die werden die Gewinner sein, verlassen Sie sich drauf«, sagte Yvonne und zündete sich mit einem goldenen Feuerzeug in Form des Eifelturms eine Lucky Strike an. Christiane blickte wenig begeistert drein. Sie hasste es, wenn in der Wohnung geraucht wurde - schon wegen Marc.

»Haben Sie schon mal diesen Fernsehsender geschaut, HOT heißt er? Sie wissen schon, einer dieser Teleshoppingkanäle. Damit werden wirklich Milliardenumsätze angepeilt. Das System ist ziemlich einfach. Waren werden nur für diese Sendung eingekauft und können gekauft werden, solange der Vorrat reicht. Ein professionelles Call Center wird auf Tausende von Anrufern vorbereitet, und die Ware ist in kürzester Zeit abgesetzt.«

»Ich finde diese Teleshopping-Sendungen zwar eine Zumutung, aber Sie haben Recht, die Idee hat etwas«, meinte Claus.

»Sie sehen, es gibt immer mehr Unternehmen, die außer professionellem Know-how nichts besitzen und dadurch nur ganz geringe Kosten haben, aber dafür umso mehr Geld mit ihrem Wissen verdienen«, sagte Yvonne und blies eine Rauchwolke zur Decke. »Zum Beispiel Unternehmen, die sich darauf spezialisieren, zu vermarkten und zu vernetzen. Diese neue Spezies von Unternehmen vermittelt Zugriff, die Nutzung von Kundenkontakten. Das ist der Typ der neuen Zukunftsfirma.«

»Also braucht man in Zukunft wenigstens noch jemanden, der vermarktet. Das wird einige bei uns freuen.«

»Ja, aber wir werden sehr viel weniger Aufwand für Werbung und Marketing betreiben müssen. Schließlich sind Nutzungsbeziehungen im Gegensatz zu einzelnen Transaktionen meist langfristig, und es besteht eine gewisse Abhängigkeit voneinander«, sagte Yvonne. »Das heißt, in Zukunft werden wir nicht mehr so viele Kosten haben, um neue Einzelkunden zu gewinnen.«

»Das klingt gut«, sagte Claus. »Heißt das, wir müssen in Zukunft eher in Kundenanteilen denken und weniger in Marktanteilen?«

»Ganz genau. Hm, Christiane, ist eigentlich von diesem köstlichen Mousse noch etwas übrig?«

»Aber klar«, sagte Christiane und lächelte amüsiert. Sie wandte sich an Claus: »Für dich auch, Schatz?«

Claus hatte jetzt keinen Gedanken für Dinge wie Mousse au chocolat übrig. Langsam dämmerte ihm, was das alles bedeutete. »Moment mal, wenn ich Sie recht verstanden habe, werden die erfolgreichen Unternehmen in Zukunft gar keine Produkte mehr anbieten!«

»Ich glaube, Herr Berning, Sie haben die erste Erkenntnis begriffen«, sagte Yvonne zufrieden. »Erfolgreiche Unternehmen werden sich nur noch mit Nutzungsrechten und Beziehungen beschäftigen. Die klassischen Geschäftsgrundlagen werden sich dramatisch verändern, sie werden nicht mehr wie in der klassischen Marktwirtschaft funktionieren. Klingt doch ganz logisch, oder?«

»Sie haben leicht reden«, stöhnte Claus. »Sollten Sie recht haben, und es spricht einiges dafür, dann ist meine Firma auf dem völlig falschen Weg.«

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